Mit KUNST TRIFFT KLEVE wird das ehemalige Möbelhaus Rexing zu einem temporären Ausstellungsort der freien Kunstszene. Zahlreiche Künstlerinnen und Künstler präsentieren hier ihre Werke und bringen neue Impulse in die Innenstadt. Begleitend entsteht ein vielseitiges Rahmenprogramm mit Lesungen, Musik, Führungen und Gesprächen. Der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen.
Kunst trifft Kleve
Fredi Voss
Was ist die Grundidee?
Bei den Inhalten meiner Bilder orientiere ich mich an meinem
unmittelbaren Umfeld, Eindrücken, die ich irgendwo gewonnen
habe und persönlichen Erinnerungen. Ein Feld, das bei meinen
freien Art Works sich schon seit längerer Zeit als besonders
„fruchtbar“ herausgestellt hat, ist die Alltäglichkeit. Das scheinbar
Belanglose kann für mich eines der spannendsten Themengebiete
sein.
Es kommt mir hier nicht darauf an, Darstellungen von speziellen,
in der Realität existierenden Orten zu schaffen. Meine Bilder sind
Hirngespinnste, auch wenn sie durchaus auch so real sein könnten.
Mein Werkzeug ist das der 3D Computergrafik, eine Arbeitsweise,
die mir erlaubt, bis ins kleinste Detail die Bildkontrolle zu behalten.
Eine Art virtueller Modellbau … und übrigens ohne jegliche Kl 🙂
Martje Verhoeven
Haut
Die Haut ist eines der wichtigsten Erkennungsmerkmale aller lebendigen Wesen.
Ich arbeite mit und ausgehend von diesem Material
Haut spiegelt die Erfahrung und damit das Leben.
Sie lässt sich nachhaltig ver- und bearbeiten und hat dadurch ein beinah ewiges Bestehen;
durch die Bearbeitung gebe ich ihr eine neue Identitat.
Sowohl lebend wie tot ist Haut formbar und fur mich dadurch eins der schonsten Materialien,
um auszudrucken was uns berührt.
Beinah alles im Leben ist umgeben von Haut.
Haut formt die Grenzen zwischen Individuum und Universum.
Anne Thoss
Die gezeigten Arbeiten in Bankschließfachkassetten verbinden sich zu einer eindringlichen Auseinandersetzung mit der Geschichte, der Gegenwart und den Spuren, die die Menschheit in Gesellschaft und Natur hinterlässt. In Form von Assemblagen und Fotokollagen, eingegossen in Epoxidharz, schaffen die Werke einen Raum der Reflexion über Erinnerung, Verantwortung und die Vergänglichkeit des Lebens.
In den Objektkisten kommentiert Thoss das Zeitgeschehen, denkt über die menschliche Existenz und unser Dasein nach. Wie in einer Schatzkiste, in der man Erinnerungsstücke und Geheimnisse aufbewahrt, werden Ereignisse, gesellschaftliche Fragen oder Probleme gesammelt und archiviert. Konserviert wird die Gesamtkomposition von einer Schicht Epoxidharz, die den Effekt der Tiefe und der Schichtung noch unterstreicht. Als Bildträger dienen Bankschließfach-Kassetten, die man öffnen und schließen kann. Für Anne Thoss sind sie ein Arbeiten gegen das Vergessen, ein Bewahren von Erinnerung, die auf- und zugedeckt werden kann. Der Deckel ermöglicht es jederzeit, den Blick von den schwierigen Themen unserer Gesellschaft abzuwenden oder auch bei einem Wiederöffnen Neues zu entdecken. Für den Betrachter können sie zum Assoziationsraum der eigenen Geschichte werden.
Ilka Sulten
llka Sulten arbeitet multidimensional. Sie ist fasziniert von der Kraft der Wildkräuter. Diese aufwendigen, akribisch von ihr hergestellten Pflanze-Imitate
bestehen aus diversen Kunststoffen. Darüber hinaus beschäftigt sie sich in großformatigen Ölgemälden mit der Massenproduktion von Plastikblumen
bis hin zu Plastikspielzeug und anderen Plastikprodukten, die letztendlich oft als unzerstörbare Plastikpellets in den Meeren landen. Dagegen sind ihre
interaktiven Plastikkränze humorvoll und ‚fragend‘ und hinterlassen durch merkwürdige Geräusche, Düfte und blinkende Leuchten einen schrillen
Eindruck. Seit ihrer Ausstellung Natur – UN – Natur 2003 im Bauernhof bei van der Grinten, wo Joseph Beuys seine legendären „Stallausstellungen“ bei
den Brüdern van der Grinten präsentierte, arbeitet sie an den Themen „Natur und UN-Natur“, Wahrheit und Schein und Daseinserfahrungen des
Menschen.
Jort Schoenmaker
Künstler … Ich?
In mir tobt ein Sturm von Ideen, von denen die meisten nicht einmal Zeit bekommen sich zu nesten.
Manchmal aber ergreift mich eine Fantasie so sehr, dass ich mich nur befreien kann, wenn ich sie ausbrüte; ihr Leben einhauche und sie, wie ein stolzer Vater, der Welt zeige.
Ich verwende Materialien, die gelebt haben, die eine Seele entwickelt haben. Diese Seele leitet mich bei der Neugestaltung, damit ihr neues Leben ihnen entspricht.
Elisabeth Schink
Das Spannungsfeld zwischen der Sehnsucht nach Natur und der Angst vor ihr offenbart eine tiefsitzende Ambivalenz. Sie äußert
sich im Ekel vor Insekten, im Misstrauen gegenüber Wildnis, in Angst vor dem Unberechenbaren. Die Biophobie ist ein Spiegel
gesellschaftlicher Entfremdung. Gleichzeitig wächst die Sehnsucht nach Natur, sie wird zum Ort der Heilung und Ursprünglichkeit.
Doch diese Sehnsucht richtet sich meist auf eine gezähmte, ästhetisierte Natur.
In meinen Arbeiten suche ich eine Verbindung dieser scheinbaren Gegensätze: Die animalische Kraft in Mensch, Tier und Pflanze,
die Leben möglich macht. Es geht um den Konflikt zwischen Natur und Zivilisation, Schutz und Gefangenheit.
Konkret stelle ich eine Verbindung zwischen der kontrollierten Form (oft Kreis) und der Kraft des Unkontrollierten her.
In Mischtechnik (Tusche, Wärme, Acryl-Paste) entstehen für mich Einzeller, die ich Elementarwesen nenne. Diese füge ich, als
malerisches Erlebnis für die Betrachter, in Installationen zusammen.
In meinen Fotos geht es ebenfalls um diese Ambivalenz:
Gefangene Ursprünglichkeit / Schöne, eklige Natur / Pflanzen, die menschlich sind
S+E. Schink
performance: „mehr als zwei“
Die hier gezeigte Performance „mehr als zwei“ zeigt eine sich bewegende Skulptur. Der Mensch ist mit dem
Bild verbunden und geschützt. Stille und heftige Bewegungen schaffen neue Bilder,
die eine Narration wecken; existentielle Themen werden angesprochen. Immer wieder friert
das Bild in neuer skulpturaler Form ein. Die in den Tanzpausen gelesene Lebensgeschichte berührt.
Der isolierte Mensch, getrennt und minderwertig – Gefühle, die jeder kennt. Die Lösung wird von beiden getanzt.
Maren Felicitas Rombold
Maren Felicitas Rombold hat Kleve zu ihrer Heimat gewählt. Für die gebürtige Tübingerin ist ein wesentlicher Grund dafür die Nähe zur Natur, das fundierte Kulturangebot und auch die Vielfalt durch die Grenznähe.
Maren geht es bei ihren Werken um die Erschaffung von Stimmungen durch Farbe und Licht. Abgebildet ist meist eine Interaktion zwischen Lebewesen (Mensch/Tier) und der Natur. Ihre optimistische Grundhaltung spiegelt sich in farbenfrohen Tagträumen wider, die sie mit ihren Bildern einfängt und den Betrachter einlädt, sie ein Stück auf der Reise zu begleiten.
Skizzen und Zeichnungen bilden die Basis ihrer Arbeiten, die sie mittels Collagen bis in den dreidimensionalen Raum kombiniert. Maren ist eine Sammlerin, darum schöpft sie, was Material und Techniken angeht, gerne aus dem Vollen und verwendet was notwendig ist, um Energien, Charaktere und Stimmungen festzuhalten. Die Techniken sind dabei Nebensache und nur Mittel zum Zweck.
In Krisensituationen ist es wohl üblicher denn je, dass sich die Menschen Gedanken über die Zukunft machen. Trotz meiner tief verwurzelten optimistischen Grundhaltung, kam mir das Gefühl, dass der Mensch zum Parasit geworden ist.
Wir sind zu Gast in einem perfekten, sich selbst regulierenden Ökosystem. Wir sind Besucher auf dieser Welt und sind abhängig von der Symbiose mit unserer Umgebung. Respekt und Fürsorge, so wie ein Geben und Nehmen auf Augenhöhe, sind die Basis für ein funktionierendes Leben im Einklang mit der Natur.
Ist es dafür schon zu spät, haben wir mit unserem Größenwahn und unserem Drang alles zu kontrollieren und zu beherrschen das Wesentliche aus dem Blick verloren? Oder wird es uns noch möglich sein in eine gesunde Symbiose mit der Natur zurückzukehren? Was muss dafür noch alles passieren?
Was für mich als Motiv im Kopf blieb und ich in diesen Bildern aufzeichnen möchte, war für mich erstmal die Atmosphäre nachdem alles zerstört ist, alles verloren ist und die Natur wieder aufsteht, als wär nichts gewesen, unabhängig von allen Schicksalen, nicht interessiert daran, was möglich ist. Sie sich einfach alles zurückerobert und den vereinzelt herumirrenden Menschen neue Hoffnung schenkt- wie der Regenbogen bei der Arche Noah.
Wilfried Porwol
Druckgrafische Arbeiten und hierbei insbesondere die Hochdrucktechniken Linolschnitt und Holzstich sind seit vielen Jahren der Schwerpunkt
meiner kunstlerischen Tätigkeit. Dabei kommt es mir weniger auf ein abstraktes Spiel mit Formen und Farben an, als vielmehr auf die Vermittlung
von Inhalten, mogen sie nun mehr politisch gesellschaftlicher oder mehr poetisch surrealer Natur sein.
Insbesondere bei meinen Linolschnitten ( schwarz – weiß, oder in mehreren Farbabstufungen) beziehe ich aus pazifistisch-humanistischer Sicht
radikal Stellung und bin bestrebt, den Blick auf Missstande und ein Nachdenken daruber durch ungewohnte Kombinationen von Bildelementen
und eine passende grafische Umsetzung zu schärfen.
Die heutzutage nur noch sehr selten ausgeubte Technik des Holzstiches erlaubt mir durch eine sehr zeitaufwändige Bearbeitung des Druckstockes
mit Graviersticheln eine äußerst filigrane Darstellungsweise. Surreal poetische Arbeiten – oft unter Einsatz von perspektivischen Täuschungen und
verunsichernden Spielen mit der Wahrnehmung – sind bei Verwendung dieser Technik meine bevorzugten Bildinhalte.
Nicole Peters
Die vom Entomologischen Verein Krefeld von 1989 bis 2016 mit Standard-Flug-fallen durchgeführten Erhebungen zur Entwicklung der Insektenbestände („Krefelder Studie“) belegt einen drastischen Rückgang der Fluginsektenbiomasse von 76 Prozent (im Hochsommer bis zu 82 Prozent) Von den bisher bewerteten Insektenarten stehen 42 Prozent als bestandsgefährdet, extrem selten oder bereits ausgestorben oder erschollen auf der Roten Liste. (Quelle BM für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz, nukleare Sicherheit.)
Ich erforsche in meinem gARTen Atelier Peters, den ich auch für Besucher öffne, Gärtnern in Zeiten des Klimawandels und des Insektensterbens. Ich versuche die Diversität im gARTen zu steigern und portraitiere die Insektenbesucher mit der Kamera. Ich male ausgewählte Fotos. Dabei geht es mir darum, die Pflanzen/ Insekten so sehr zu vergrößern, dass man das Gefühl hat, sich selber wie das Insekt durch den gARTen zu bewegen.
Der Kokon aus bewusst rau gelassenem Beton steht im Kontrast zu den sonst hauchdünnen natürlichen Ursprungsformen, im Kiesgarten zu den insektenanziehenden Pflanzen, im Ausstellungsraum zu meiner Malerei. Schwer liegt er da, strahlt Ruhe, aber auch Undurchdringlichkeit aus.
Meine Malerei entsteht nur im Winter aus dem schmerzlichen Vermissen des Lebens IM gARTen.
OSTER+KOEZLE
Seit 1999 erstellen der Maler Willy Oster und der Fotograf
SG Koezle als OSTER+KOEZLE Werke, die sich inhaltlich mit
dem Thema Raum auseinandersetzen, beziehungsweise die
Wahrnehmung von Raum und Architektur in Frage stellen.
Bildbearbeitung und Veränderungen werden gemeinsam am
Rechner vorgenommen – collagiert wird hierbei nie. Die im
Datensatz generierten Farbflachen decken immer nur Teile des
zugrunde liegenden Architekturfotos ab.
Seit 2014 wenden OSTER+KOEZLE solche Masken an, die zu
einem hohen Grad an Abstraktion führen, ohne die Wurzeln der
Fotografie zu verlassen. Diese Arbeitsreihe wird ,architectures
genannt.
Die Fotografie wird hierbei komplett mit einer farbigen Fläche
(Maske) abgedeckt, um danach aus ihr definierte Bereiche
heraus zu schneiden. So mutieren Raumteile zu plastisch
wirkenden, abstrakten Objekten, da unsere Wahrnehmung
unwillkurlich die Maske als Hintergrund interpretiert.
Was von weitem wie Grafik aussieht, wird bei Betrachtung aus
der Nahe eindeutig als Fotografie erkannt. Dank detailgenauer
Wiedergabe von Oberflächen und Texturen bleibt so der Bezug
zur realen Architektur erhalten.
Janna Hünnekes
Die Linoldrucke von Janna Hünnekes sind geprägt von einer stillen, konzentrierten Bildsprache, die ihre Wurzeln in der Fotografie erkennen lässt. Bevor sie sich dem Druck zuwandte, arbeitete sie mit der Kamera – und die dort entwickelte Sensibilität für Licht, Kontrast und Komposition setzt sich in ihren druckgrafischen Arbeiten konsequent fort.
Im Linoldruck hat sie ihre künstlerische Haltung weiterentwickelt und nutzt die Reduktion als Mittel der Verdichtung. Die klare Trennung von Fläche und Linie, von Hell und Dunkel, erinnert an fotografische Prozesse im analogen Labor. Tatsächlich scheint der „Zauber der Dunkelkammer“ in der Arbeit an der Druckpresse weiterzuleben – besonders in dem Moment, in dem der erste Abzug entsteht: ein Augenblick zwischen Kontrolle und Überraschung, zwischen Planung und Offenbarung.
Durch die Vereinfachung entsteht eine Bildwelt mit ganz eigener Poesie, die zwischen Beobachtung und Erinnerung oszilliert. Die Arbeiten von Janna Hünnekes laden dazu ein, genauer hinzusehen – und in der Einfachheit eine unerwartete Tiefe zu entdecken.
Heike Nebbe
Ich erkunde die Welt mit dem Stift in der Hand. Zeichnen ist meine Leidenschaft und das Skizzenbuch mein steter Begleiter – im Alltag und
auf Reisen. Egal wo ich bin finde ich spannende Motive, die ich mit Fineliner und Aquarellfarbe aufs Papier bringe.
Durch das direkte Zeichnen vor Ort, Urban Sketching genannt, nehme ich die Umgebung intensiver wahr und erlebe die Atmosphäre eines
Ortes anders als im normalen Alltag. Das längere Hinschauen auf das Motiv und das Erleben der jeweiligen Stimmung lassen mich zur Ruhe
kommen und in innere Prozesse eintauchen. Farben, Stimmungen, Geräusche, Gerüche – all das fließt während des stillen Beobachtens mit
aufs Papier. Oft erkenne ich erst später, was das Unterbewusstsein wahrgenommen hat: kleine Anekdoten, menschliche Begegnungen und
manchmal unscheinbare Situationen, die herausragen.
Mein Zeichenstrich ist locker und manchmal etwas frecher – passend zu meinem norddeutschen Temperament. Als „Nordlicht“ im Herzen und
leidenschaftliche Inselliebhaberin faszinieren mich besonders Motive aus eben diesem Milieu.
Klaus Franken
Poems on Linoleum
Nach fast 50 Jahren padagogischer und kunstlerischer Arbeit in Berlin als Erzieher, Kaspertheaterspieler, Geschichtenerfinder, Linolschneider
und -drucker mit eigener Werkstatt in Moabit (dort sind u.a. sieben „Moabiter Linolkalender“ und drei Linolbucher entstanden) bin ich wieder in
meiner alten Heimat am Niederrhein gelandet. Angeregt durch den jährlich von Konrad Stüven herausgegebenen Grafikkalender und durch die
Moglichkeit, in seiner Werkstatt zu drucken, habe ich zur Linolschneiderei zuruckgefunden.
Inzwischen sind so u.a. sieben Mappen, „Poems on Linoleum“ entstanden, die jeweils 7 – 9 meist mehrfarbige Linolschnitte beinhalten; beispielhaft
sind oben drei der Schnitte in verkleinerter Form abgebildet. Sie stellen immer eine Verbindung von eigenen, meist poetischen Texten und
bildnerischen Elementen dar. Heiner Frost dazu in den NN: „Wenn sich Bildgedanken mit Worten paaren, werden Spuren gelegt, die deutlicher sind
als die einer alleinstehenden Bildwelt“. Zu meiner im letzten Jahr erschienenen 7. Mappe schrieb er in den NN:
„Franken’s Kunst ist nie, nie, nie einfach nur Kunst. Da ist immer dieser Stachel – der Dorn, der sich durch den Schädel ins Gehirn drückt“.
Marianne Fletcher
Das Thema von Marianne Fletcher ist die unberührte Landschaft, die zeit- und ortlos, sowie menschenleer ist. Natur braucht den Menschen nicht, genügt sich selbst und gehört sich selbst. Sie ist ein Ort, an dem das Einfachste ausreicht, um tiefgreifende Wirkung zu erzielen.
Das kommt in den farbintensiven und flächenreduzierten Gemälden von Marianne Fletcher zum Ausdruck. Sie rufen Assoziationen an landschaftliche und naturhafte Strukturen hervor, sind aber Fiktionen, entstanden im Ringen um neue Räume mit Einbrüchen, Rückschritten, Überschreibungen, mit Streit und Einklang und mit der Moglichkeit des Scheiterns. Malerische und grafische Mittel wie Farbe und Textur stehen im Vordergrund, während der Horizont als vages Erkennungsmerkmal bleibt. Als Grenze zwischen dem Sichtbaren und dem Unsichtbaren symbolisiert er Sehnsucht, Ruhe und Hoffnung. Er dient als Brücke zwischen der realen Welt und der reinen Form, gibt dem Betrachter Orientierung und vermittelt den Eindruck von Weite und Leere.
Andree Booltink
Meine Arbeit entsteht aus einer Suche – danach, was es bedeutet, Mensch zu sein.
Häufig erscheint in meinen Arbeiten ein Raum, in dem gesehen wird, aber nie ganz verstanden.
Manchmal eine Welt im Kleinen, abgeschlossen und doch ohne Grenzen.
Was sichtbar wird, ist keine Antwort, sondern ein Zustand.
Ein Moment, in dem etwas versucht, sich selbst zusammenzuhalten und zu begreifen.
Meine Arbeit bewegt sich zwischen Zufall und Kontrolle, zwischen Innen und Außen, zwischen dem, was trägt, und dem, was zu zerbrechen droht.
Vielleicht beginnt es genau dort:
nicht in der Gewissheit, sondern im fortwährenden Suchen nach dem, was uns trägt und uns menschlich macht.
Jutta Biesemann
Einer der Schwerpunkte meines künstlerischen Arbeitens ist die Beschäftigung mit der Situation von Frauen. Ihre ungleiche Behandlung durch die Gesellschaft in sozialen, kulturellen, moralischen Fragen; von Gender Pay Gap bis hin zum Femizid, von Rollenerwartungen bis hin zur Haltung der Kirche …. die Lebensrealitat von Frauen wird stark von gesellschaftlichen Normen gepragt.
Meine Installationen, Fotografien und mixed-media-Arbeiten sollen auf kritische Bereiche hinweisen. Ich mochte zum Nachdenken über die persönliche Situation ebenso anregen wie über die gesellschaftliche. Dabei spielt es keine Rolle, welches Geschlecht ich als Betrachter habe.
Verletzlichkeit, Verletztheit und Vergänglichkeit sind Themen, die uns in Mensch, Natur und Tierwelt begegnen und beschäftigen. Sie können Angst und Schmerz auslosen und wecken in uns vielfach das Bedürfnis nach Heilung.
Viele Bereiche werden moglichst lange im Verborgenen gehalten.
Karl van Betteraey
Ol und Bitumen auf Leinwand / Thema: Mikroversum
Vor einigen Jahren besuchte ich die Seehundauffangstation auf der Insel Texel. Dort wurden auf einem Monitor Mikroskopbilder und Videos von Kleinstlebewesen im Meereswasser gezeigt. Eine ahnliche Prasentation sah ich in einem Museum in der Normandie an der Seine. Inspiriert durch die Mikrofotos und die Videoaufnahmen von pflanzlichen, tierischen und menschli chen Zellen sowie mineralischen Bausteinen habe ich begonnen, diese „Welt im Kleinen“ frei zu skizzieren und in Malerei umzusetzen.Technisch umgesetzt wurden die Leinwandbilder mit Ölfarben und Bitumen. Durch die Eigenart der Ölfarben konnte die oft strahlende Farbigkeit erreicht werden. Die sehr prägnante dunkelbraune bis ins Schwarze reichende Farbe des Bitumens bewirkte einen noch höheren lebendigen Kontrast zu den Farben und Formen der Zellen.
Kaltnadelradierungen / Thema: Impulswerte
Schon lange beschaftige ich mich sowohl mit realistischen Motiven als auch mit „abstrakter gestischer Zeichnung“ Abstrakte gestische Zeichnung (oft eng verbunden mit gestischer Abstraktion oder Action Painting) ist eine Kunstform, bei der der Akt des Zeichnens selbst – die Bewegung des Körpers – im Vordergrund steht. Sie ist geprägt von impulsiven, energetischen Linien und Spuren, die direkt aus der Emotion des Künstlers entstehen, ohne eine prazise Darstellung der visuellen Realität anzuzeigen.
Kann freie Zeichnung etwas über unseren aktuellen geistigen / emotionalen Zustand vermitteln? Hat freie Zeichnung einen ästhetischen Ausdruck?
Bei dieser Art der Zeichnung habe ich festgestellt, dass die Radierung (Motive werden mit einer Radiernadel in die Druckplatte eingeritzt) endgültiger ist und Ungewolltes /Überflüssiges nicht so einfach wieder entfernt werden kann. Somit müssen die Konzentration und Entschlossenheit viel höher sein als zum Beispiel bei einer Bleistiftzeichnung, die schnell mit Radiergummi korrigiert werden kann. Fehlt das gegenständliche Motiv (Landschaft, Menschen … ) muss ich über mehr Bereitschaft, Entschlossenheit und Konzentration
verfügen. Dieses Zusammenspiel ist nicht immer da. Nur wenn ich darüber verfüge, kann diese Art der Zeichnung gelingen. Diese Art der Darstellung ohne sichtbares Motiv fasziniert und motiviert mich sehr.
Rita Beckmann
Immer häufiger halten wir ein Bild von der Welt für die Welt selbst.
Permanent liefern uns die verschiedenen Medien neues Futter für unsere Vorstellungskraft. Ströme von potenziellen Tatsachenberichten fluten unsere Sinne.
Tagesaktuell angepasst, reisen wir so im Eiltempo durch ein ständig im Wandel begriffenes Zeitgeschehen.
Die Grenzen zwischen tatsächlicher Erfahrung und vorgestelltem Tatbestand verschwimmen zwangsläufig.
Ein Bild, eine Story, eine Vermutung werden schnell wahr-scheinlich.
Wie mache ich mir als Kunstschaffende im Informations-Tsunami ein stimmiges Bild von der Welt und was hat Kunst damit zu tun?
Seit vielen Jahren arbeite ich mit Zeitungspapier.
Auf der materiellen Ebene interessieren mich die Wandlungsfähigkeit und die Vergänglichkeit.
Auf der sprachlichen Ebene interessieren mich der Zweck, die Sachlichkeit, die Freiheit, die Maßlosigkeit und die Macht der Wörter und Bilder.
Auf der inhaltlichen Ebene interessieren mich das Wahrheitsbeanspruchende, das Zufällige, das Chaotische, das Dramatische und die vielen irrationalen Dimensionen zwischenmenschlichen Handelns.
Auf einer ideellen Ebene suche ich nach Bildern, in denen moglichst alle diese Ebenen Raum finden.
Holger Becken
Arbeitsweise: Ich verwende vorwiegend „arme“ Materialien wie z.B. Fundholz, Holzreste, Papier, Pappe, Verpackungsmaterial, Baumarktsilikon,
Dispersionsfarben etc. Künstlermaterialien setze ich sparsam ein.
Die Objekte, die ich baue, haben oft einen Bezug zur Malerei, während die Bildflächen, die ich bearbeite, „objekthaft“ sein konnen.
Jászai Alica Busch
In meinen Arbeiten geht es mir um die Wahrnehmung des Betrachters und die Entfaltung der Beziehung zwischen Mensch, Objekt und Raum. Spiel mit Raumgrenzen als Verwirrspiel mit Räumlichkeit und Unendlichkeit. Der Spiegel lässt hinter der gemalten statischen Struktur Öffnungen im Bild entstehen, vermittelt die Illusion der Transparenz der Fläche und bewirkt ein ständig sich veränderndes Bild. Durch die Bearbeitung des Spielgels wird der Illusionscharakter verstärkt; durch das Zusammenwirken von verschiedenen Ebenen entsteht ein „Raum in Raum“ Effekt.
Bassam Alkhouri
Ich verstehe das Werk als offenen Raum des Werdens, nicht als abgeschlossenes und vollendetes Bild.
In meiner künstlerischen Praxis ist das Werk ein fortlaufender Prozess von Aufbau und Auslöschung, in dem jedes Element wandelbar und veränderbar bleibt.
Eine prägende Erfahrung mit Kindern in Syrien im Jahr 2000 machte mir deutlich, dass Zeichnen ein niemals abgeschlossener Vorgang ist, in dem Auslöschen und Neugestalten selbstverständlich ineinandergreifen. Daher verstehe ich Auslöschung nicht als Negation, sondern als Erweiterung des Bildes:
Frühere Schichten bleiben als Spuren erhalten, so dass das Werk zu einem Archiv seiner Transformationen wird. So erscheint das Werk als momentane Verdichtung eines offenen Prozesses und eröffnet einen Raum der Möglichkeit, Offenheit und fortwährenden Verwandlung.